
Ein Fisch namens Wanda (1988)
Schauspieler: John Cleese, Jamie Lee Curtis, Kevin Kline, Michael Palin, Maria Aitken
Regie: John Cleese, Charles Crichton
Land: USA
Genre: Comedy
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Ein Fisch namens Wanda
Als ich vor einigen Wochen in einem Akt kalkulierender und provozierender Zuspitzung auf diesem Blog die Super-Komödie (RTL-Deutsch), beziehungsweise die Top 5 des Genre (Hoch-Deutsch), gesucht und gefunden habe, war ich auf vielerlei Reaktionen gefasst. So rechnete ich doch fest damit, mit dieser Auflistung zu polarisieren und anzuecken. Partiell war dieses Unterfangen sogar von Erfolg gekrönt. Doch erstens kommt es immer anders, und zweitens als man denkt: Und so war das erstaunlichste Resultat dieser kleinen Auflistung, dass augenscheinlich kaum einer meiner werten Kommentatoren mit dem Sieger, Ein Fisch namens Wanda vertraut ist. Zugegeben: Bei vier Wortmeldungen zu dem Thema von einem repräsentativen Ergebnis sprechen zu wollen, wäre eine dezente Übertreibung, tendenziös ist dieses Meinungsbild hingegen schon, und so habe ich mir vor einigen Tagen mal wieder das Vergnügen gegönnt, mit eine meiner liebsten Komödien zu Gemüte zu führen, um diesen Blog mit einer Besprechung des Streifens zu Bereichern.
Die siebziger Jahre waren ohne Zweifel das Jahrzehnt der, nehmen wir das Wort in diesem Fall mal wirklich in den Mund, legendären britischen Komiker-Truppe Monty Phyton, die erst mit ihrer Serie Monty Pythons Flying Circus in den Jahren 1969-1974 für Furore sorgten, um sich anschließend auch der großen Leinwand zuzuwenden. In diese Dekade fielen dann folgerichtig die beiden Beiträge Ritter der Kokosnuss, sowie Allem voran Das Leben des Brian (Siehe auch: Top 5 Satire). Zeichneten sich schon die Kokosnuss-Ritter durch einen mehr als schrägen britischen Humor aus, so ist doch der Nachfolger Das Leben des Brian, der wohl bis heute einflussreichste Film der Komiker, der für zahlreiche Diskussionen sorgte, die ebenso kontrovers wie heftig geführt wurden.
1983 schließlich folgte mit Der Sinn des Lebens der letzte Ausflug der Monty Phyton Truppe ins Kino, bevor 1988 mit Ein Fisch namens Wanda schließlich die Komödie das Licht der Welt erblickte, die, obgleich bei weitem nicht mehr die Gesamte Crew der früheren Formation beteiligt war, im weiterem Sinne, und mit aller Vorsicht formuliert, als in der Tradition Monty Phytons stehender Film, bezeichnet werden kann.
Eigentlich könnte für den Gauner George (Tom Georgeson) alles ganz einfach sein, denn hinter jedem guten Raub steht bekanntlich ein noch besserer Plan. Wie man den einleitenden Worten schon entnehmen kann, läuft natürlich alles anders als geplant: Zwar gelingt der Cuop, ein Juwelenraub, den George zusammen mit seiner Geliebten Wanda (Jamie Lee Curtis), deren Bruder Otto (Kevin Kline), und seinem Bruder Ken (Michael Palin) ausgeheckt hat, aber danach läuft, aus seiner Perspektive schief, was schief laufen kann.
Und wer diesen Film noch nicht kennt, und noch rein gar nichts zum Inhalt wissen möchte, der überspringt bitte direkt die folgenden zwei Absätze. Es sind zwar im eigentlichen Sinne keine Spoiler, geben sie doch nur die Expoistion der ersten 15 Minuten des Films wieder, aber auch in diesem Fall gilt: Lieber einmal zu viel gewarnt, als einmal zu wenig.
Otto ist nicht Wandas Bruder, sondern ihr Geliebter. Und die Beiden halten nicht sonderlich viel davon die Beute brüderlich zu teilen, und verraten George eben mal an die Polizei. Dumm nur für Wanda und Otto, dass George auf Nummer sicher gegangen ist, und die Juwelen an einem geheimen Ort versteckt hat. Besonders ärgerlich ist dies für Wanda, wollte sie sich doch direkt nach dem Coup auch ihres nervigen Liebhabers Otto entledigen.
Daraus wird nun erstmal nichts, die Karten werden neu verteilt: Wanda schmeißt sich an den Strafverteidiger von George Archie Leach (John Cleese) heran, um den wahren Aufenthaltsort der Juwelen zu erfahren. Otto mach in der Zwischenzeit das, was er am Besten kann: Unheil stiften, und Ken erhält von seinem Bruder den Auftrag eine Zeugin aus der Welt zu schaffen.
Dieses klassisch anmutende Verwirrspiel wäre de facto nichts Besonderes, würde der Film nicht von seinen ausgezeichneten Protagonisten, und dem von diesen transportierten urkomischen und tiefschwarzen Humor leben. Und so entwickelt sich in der Folge eine Komödie in Reinkultur, die sich gewaschen hat. Von den alten Phytons sind mit John Cleese und Michael Palin noch zwei Vertreter übrig geblieben, die sich mit den Amerikanern Jamie Lee Curtis und Kevin Kline adäquate Verstärkung geholt haben. Gerade die Rolle des Otto ist grandios. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass der Oscargewinn für Kevin Kline für die besten Nebenrolle mehr als verdient war.
Seine Darstellung des ständig Nietzsche zitierenden, dabei gleichzeitig saublöden, Ex-Cia Killers ist einfach nur herrlich. Das gilt ebenso für die Rolle von Michael Palin, der den stotternden Tiefreund Ken verkörpert, wobei sich auch John Cleese und Jamie Lee Curtis mitnichten zu verstecken brauchen. Man sollte sich in einer Besprechung zu einer Komödie davor hüten diese Besten Gags oder Szenen zu verraten. Deshalb nur so viel: Ein Fisch namens Wanda zeichnet sich durch eine erstaunliche Dichte zitierfähiger Oneliner aus, die ihresgleichen sucht.
Natürlich ist der Humor, der in diesem Film transportiert wird, unter Umständen nicht jedermanns Geschmack. Er ist halt typisch Monty Phyton und damit nicht gerade eine Ausgeburt von political correctness - Das Lustig machen über Stotterer und Tierfreunde gehört ebenso dazu, wie Witze über die Briten und Amerikaner per se.
Gerade dieser Gegensatz zwischen britischer und amerikanischer Kultur bietet einen hervorragenden Nährboden für diese überaus gelungenen Komödie, die sich durch ihre erstklassigen Schauspieler, gelungenen Charakterzeichnungen, sowie einer mit zielsicherer Genauigkeit eingestreuten Situationskomik auszeichnen kann. Ein Fisch namens Wanda hebt sich somit wohltuend von dem Genre-Einerlei ab, das sich vor kurzem ja bereits einmal bemängelt habe. Anders ausgedrückt: Der Film ist deshalb so stark, und mit Recht ein Klassiker, weil er von vorne bis hinten so gut wie keine Schwächen hat. Fazit: 10 von 10 Punkten.
Rezension von kinotv&co
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